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Wann Excel im Betrieb kippt — fünf Anzeichen

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Fast jeder Betrieb, mit dem wir sprechen, führt etwas Wichtiges in Excel. Und fast jeder entschuldigt sich dafür. Das ist unnötig: Eine Tabelle ist ein hervorragendes Werkzeug. Sie ist sofort da, jeder kann sie, sie passt sich in Minuten an — kein Einführungsprojekt, kein Rechtekonzept, keine Schulung.

Deshalb bleibt sie auch, wenn sie längst nicht mehr passt. Der Umstieg wird nicht deshalb verschleppt, weil niemand das Problem sieht, sondern weil niemand sagen kann, wann der Punkt erreicht ist. „Zu viele Zeilen" ist es jedenfalls nicht — Tabellen mit 40.000 Zeilen laufen tadellos.

Es sind fünf andere Anzeichen. Wenn zwei davon zutreffen, ist der Punkt da.

1. Es gibt eine Person, die die Datei „macht"

Nicht: die sie pflegt. Sondern: die weiß, warum Spalte AF ausgeblendet ist, welche der drei Summenzeilen die richtige ist und warum man Zeile 214 nicht sortieren darf.

Diese Person ist kein Risiko, weil sie schlecht arbeitet, sondern weil ihr Wissen nirgends steht. Ist sie im Urlaub, arbeitet der Rest an einer Datei, die er nicht versteht — und traut sich zu Recht nichts zu ändern.

Der Test dafür ist unangenehm einfach: Lass jemand anderen eine Änderung machen, die eine Formel berührt. Wenn dabei jemand angerufen wird, hast du keine Datei, du hast eine Abhängigkeit.

2. Es gibt mehr als eine Wahrheit

Bestand_2026.xlsx, Bestand_2026_final.xlsx, Bestand_2026_final_NEU_JH.xlsx. Oder subtiler: eine Datei auf dem Server und eine Kopie auf einem Laptop, weil man im Auto keinen Zugriff hatte.

Ab hier ist jede Zahl eine Vermutung. Nicht weil jemand schlampt, sondern weil das Format keine Antwort auf die Frage kennt, welche Version gilt. Zwei Leute, die gleichzeitig arbeiten wollen, erzeugen zwangsläufig zwei Stände.

Cloud-Tabellen mildern das, lösen es aber nicht: Sie beantworten „welche Datei", nicht „welcher Wert". Wer gleichzeitig in derselben Zeile arbeitet, überschreibt sich weiterhin — nur schneller.

3. Jeder sieht alles

Die Datei mit den Stundensätzen liegt im selben Ordner wie die mit den Lieferantenkonditionen, und die Personalliste hat drei Spalten weiter rechts das Gehalt stehen. Zugriff hat, wer Zugriff auf den Ordner hat.

Das fällt lange nicht auf und dann auf einen Schlag — bei der Kündigung, beim Praktikanten, bei der ersten Auskunftsanfrage nach DSGVO. Rechte auf Feldebene kann eine Tabelle nicht, und der Ordner-Zugriff ist das gröbste denkbare Werkzeug dafür. Was das praktisch bedeutet, steht im Beitrag über DSGVO in der Betriebssoftware.

4. Niemand kann sagen, wer was geändert hat

Ein Preis stimmt nicht. Ein Termin ist verschwunden. Eine Menge steht auf 0. Die Frage „wer war das?" ist in einer Tabelle unbeantwortbar — bestenfalls gibt es eine Sicherung von gestern, und selbst die sagt nur, dass sich etwas geändert hat.

Solange es um interne Zahlen geht, ist das ärgerlich. Sobald Nachweispflichten dranhängen — Arbeitszeiten, Prüfprotokolle, Chargen —, ist es ein Mangel, nicht nur ein Ärgernis.

5. Die Arbeit passiert draußen, die Tabelle drinnen

Das eindeutigste Zeichen. Der Monteur notiert auf Papier, der Fahrer schickt eine Sprachnachricht, die Pflegekraft schreibt es sich auf die Hand — und abends überträgt jemand alles in die Tabelle.

Diese Übertragung ist reine Doppelarbeit, und sie ist die Stelle, an der Fehler entstehen. Eine Tabelle ist auf dem Handy nicht bedienbar; nicht mit Handschuhen, nicht im Stehen, nicht mit einer Hand. Wenn deine Arbeit dort passiert, wo deine Software nicht hinkommt, wächst zwischen beiden ein Zettelstapel.

Was die Tabelle wirklich nicht kann

Die fünf Anzeichen haben eine gemeinsame Ursache. Es sind nicht Funktionen, die fehlen — es sind Eigenschaften, die eine Datei prinzipiell nicht haben kann.

Abb. 1Was die Tabelle kann — und wo sie aufhört
 TabelleSystem
Gleichzeitig arbeitenZwei Leute erzeugen zwei Stände.Zwei Leute arbeiten an demselben Stand.
Wer darf was sehenZugriff auf die Datei ist Zugriff auf alles darin.Rechte je Bereich und Feld — Lohn ist nicht Lager.
Wer hat was geändertUnbeantwortbar. Bestenfalls die Sicherung von gestern.Protokolliert: alter Wert, neuer Wert, Person, Zeitpunkt.
Draußen benutzbarAuf dem Handy nicht bedienbar, erst recht nicht mit Handschuhen.Erfassung dort, wo die Arbeit passiert — abends nichts nachzutragen.
Regeln erzwingenJede Zelle akzeptiert jeden Inhalt.Pflichtfelder, Auswahllisten, Plausibilität beim Speichern.
Die linke Spalte ist kein Vorwurf: Genau dafür ist eine Tabelle gebaut. Die rechte Spalte beschreibt Eigenschaften, die man einer Datei nicht beibringen kann.

Das ist der Grund, warum „wir bauen die Tabelle nochmal ordentlich" nie hilft. Eine bessere Tabelle ist immer noch eine Datei: ein Stand, ein Zugriff, keine Spur, keine Regeln. Man kann eine Datei nicht so lange verbessern, bis sie ein System wird.

Was es kostet, es zu lassen

Der Reflex lautet: „Läuft doch." Läuft es auch — die Kosten stehen nur an einer Stelle, an der niemand sie zusammenzählt.

Anzeichen Wo es auffällt Was es tatsächlich kostet
Eine Person „macht" die Datei Urlaub, Krankheit, Kündigung Stillstand genau dann, wenn niemand Zeit hat, ihn aufzuholen
Mehrere Stände Zahlen, die nicht zusammenpassen Jede Auswertung braucht vorher eine Abstimmungsrunde
Jeder sieht alles Personalwechsel, Auskunftsanfrage Ein Vorfall, der nicht mehr eingefangen werden kann
Keine Spur bei Änderungen Reklamation, Prüfung, Streit Aussage gegen Aussage statt Nachweis
Erfassung erst abends Jeden Tag Doppelarbeit plus die Fehler aus der Übertragung

Keiner dieser Posten taucht in einer Rechnung auf. Zusammengerechnet sind sie regelmäßig größer als die Software, die sie ersetzt hätte.

Der Umstieg muss nicht groß sein

Der übliche Reflex ist, aus fünf Anzeichen ein Großprojekt zu machen: alles ablösen, alles auf einmal, ein Jahr Einführung. Das ist der Grund, warum es meist gar nicht passiert.

Sinnvoller ist der umgekehrte Weg — die eine Tabelle ersetzen, die am meisten weh tut, und den Rest liegen lassen. Ein Bereich, sauber gelöst, ist mehr wert als zehn, die halb laufen. Genau dafür ist der Baukasten gedacht: Du nimmst das Modul, das dein Problem löst, und steckst später weitere dazu.

Wie du die richtige Tabelle auswählst: Nimm nicht die größte, sondern die, an der am häufigsten jemand anderes wartet. Die größte Datei ist meist gut gepflegt — sonst wäre sie nicht so groß geworden. Der Schaden entsteht an der Datei, die drei Abteilungen gleichzeitig brauchen.

Und die Daten aus der alten Tabelle kommen mit. Wie das praktisch läuft — Spalten zuordnen, Dubletten, gewachsene Freitextfelder —, steht im Beitrag über den Umzug aus dem alten System. Was du dafür brauchst, ist keine Entscheidung über die nächsten zehn Jahre, sondern ein Nachmittag mit einer CSV-Datei.

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